*n = 558 [1] Diagnosestellung
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| Immunglobulinbestimmungen | bei allen Patienten | |
| Impfantikörper | bei partiellem DiGeorge-Syndrom | |
| Lymphozytenphänotypisierung | bei allen Patienten | |
| CD4+ T-Zellen > 400 | Weitere Kontrollen nur bei klinischem V.a. Immundefizienz/dysregulation |
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| CD4+ T-Zellen < 400 | naive CD4 > 200 naive CD4 < 200 |
Prophylaxe, Kontrolle in 3 Monaten ausführliche Abklärung |
| Ausführliche Abklärung | bei V.a. komplettes DiGeorge-Syndrom | |
| Proliferationsantwort auf PHA | T-Zell Funktionstest | |
| TREC- Analyse | Thymusfunktionsstest | |
| Spectratyping | T-Zell Diversität | |
*Empfehlungen des Autors, es gibt keine Evidenz-basierten Leitlinien
Patienten mit DiGeorge Syndrom haben eine Vielzahl von allgemeinpädiatrischen Problemen. Ein langfristiges multidisziplinäres Betreuungskonzept ist daher notwendig. In diesem Rahmen soll lediglich auf die immunologischen Aspekte eingegangen werden (Tab.3). Wir empfehlen eine Infektionsprophylaxe bei CD4+ T-Zellzahlen unter 400/µl im ersten Lebensjahr. Hierzu gehört eine Expositionsprophylaxe (Händedesinfektion, eingeschränkter Kontakt zu infizierten Kleinkindern, ggf. Mundschutz bei respiratorischem Infekt der engsten Kontaktpersonen), weitere Schutzmaßnahmen (PCP-Prophylaxe durch Bactrim, Varitect bei Varizellenexposition, passive RSV-Prophylaxe durch Synagis in den Wintermonaten) sowie ein klares Impfkonzept. Dies umfasst neben allen üblichen Totimpfstoffen Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza (letzteres auch bei allen Familienmitgliedern), Kontrolle der Impferfolge gegen Tetanus und Pneumokokken durch Bestimmen der Impftiter sowie eine erneute immunologische Basisuntersuchung vor Verabreichung von Lebendimpfstoffen. Die Voraussetzungen für eine MMR-Ipfung sind eine normale Mitogenantwort, CD4+ T-Zellen über 400/µl sowie normale IgG-Antworten gegen Tetanus und Pneumokokken (9). Bei spontaner Erholung der T-Zellzahlen können die prophylaktischen Maßnahmen beendet werden.
Eine zusätzliche immunologische Therapie ist notwendig bei persistierend niedrigen naiven CD3+ T-Zellen (< 50/µl) und fehlender T-Zell-Funktion (<1% der Kinder mit DiGeorge-Syndrom) (Tab.3). Bei diesen Kindern muß unbedingt darauf geachtet werden, daß sie (etwa im Rahmen einer Herzoperation nur bestrahlte und CMV-negative Blutprodukte erhalten (sonst Gefahr einer Transfusions-assoziierten GvHD!). Zwei Therapieformen stehen zur Verfügung. Der adoptive Transfer von reifen T-Zellen HLA-identer Geschwister wird oft durch mangelnde Verfügbarkeit eines Spenders limitiert. Alternativ ist eine Transplantation von Thymusgewebe möglich, die derzeit aber nur an einem einzigen Zentrum in den USA mit Erfolg durchgeführt wird (3). Falls die T-Zellen noch Restfunktion besitzen, ist vor der Transplantation eine T-Zell suppressive Therapie notwendig (10).
Tab. 3: : Immunologische Prophylaxe und Therapie bei DiGeorge-Syndrom.*
| Partielles DiGeorge Syndrom (CD4+ T-Zellzahlen < 400/ml im ersten L.j.) | ||
| Expositionsprophylaxe | Händedesinfektion, eingeschränkter Kontakt zu infizierten Kleinkindern |
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| Infektionsprophylaxe | Cotrim 5 mg/kg in 1 ED, 3x/Woche VZV-IgG bei Varizellenexposition RSV-Prophylaxe durch Palivizumab in den Wintermonaten |
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| Impfplan | Normaler Impfplan bezüglich Totimpfstoffen Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza (+ Familie!) Kontrolle der Impferfolge gegen Tetanus und Pneumokokken Immunologische Basisuntersuchung vor Lebendimpfstoffen. |
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| Komplettes DiGeorge Syndrom (naive CD4+ T-Zellzahlen < 50/ml) | ||
| alle Kinder | alle Maßnahmen wie oben Isolation nur bestrahlte und CMV negative Blutprodukte ggf. Immunglobulinersatztherapie |
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| Bei HLA-id. Geschwister | adoptive Transfer von reifen T-Zellen | |
| Bei fehlendem Spender | Transplantation von Thymusgewebe | |
* Empfehlungen des Autors, es gibt keine Evidenz-basierten Leitlinien
Insgesamt wird die Prognose des DiGeorge-Syndroms nur selten von den immunologischen Problemen bestimmt. Meist steht der Herzfehler im Vordergrund. Bei Patienten mit partiellem DiGeorge Syndrom ist die immunologische Prognose durch die zunehmende Erholung im ersten Jahr gut, wenn die prophylaktischen Maßnahmen eingehalten werden. Eine erhöhte Inzidenz von Autoimmunerkrankungen bleibt jedoch bestehen. Die Prognose für Patienten mit komplettem DiGeorge-Syndrom ist ausgesprochen schlecht (4). Ohne Thymustransplantation oder Transfer HLA-identer T-Zellen überleben diese Kinder nur selten die ersten Lebensjahre.
(1) Ryan A.K., J.K. Goodship, D.I. Wilson et al. Spectrum of clinical features associated with interstitial chromosome 22q11 deletions. a European collaborative study. J Med Genet 34: 798-804 (1997).
(2) Yagi H., Y. Furutani, H. Hamada et al. Role of TBX1 in human del22q11.2 syndrome. Lancet 362: 1366-1373 (2003).
(3) Markert M.L., M. Sarzotti, D.A. Ozaki et al. Thymus transplantation in complete DiGeorge syndrome: immunologic and safety evaluations in 12 patients. Blood 102: 1121-1130 (2003).
(4) Markert M.L., D.S. Hummell, H.M. Rosenblatt et al. Complete DiGeorge Syndrome: persistence of profound immunodeficiency. J Pediatr 132: 15-21 (1998).
(5) Sullivan K.E., D. McDonald-McGinn, D.H. Driscoll et al. Longitudinal analysis of lymphocyte function and numbers in the first year of life in chromosome 22q11.2 deletion syndrome. Clin Diagn Lab Immunol 6: 906-911 (1999).
(6) Jawad A.F., D.M. McDonald-McGinn, E. Zackai, K. Sullivan. Immunological features of chromosome 22q11.2 deletion syndrome. J Pediatr 139: 715-723 (2001).
(7) Gennery A.R., D. Barge, J.J. O’Sullivan, T.J. Flood, M. Abinum, A.J. Cant. Antibody deficiency and autoimmunity in 22q11.2 deletion syndrome. Arch Dis Child 86: 422-425 (2002).
(8) Markert M.L., M.J. Alexieff, J. Li et al. Complete DiGeorge Syndrome : development of rash, lymphadenopathy and oligoclonal T cells in 5 cases. J Allergy Clin Immunol 113: 734-741 (2004).
(9) Perez E.F., A. Bokszczanin, D. McDonald-McGinn et al. Safety of live viral vaccine in patients with chromosome 22q11.2 deletion dyndrome. Pediatrics 112: e325 (2003).
(10) Markert M.L., M.J. Alexieff, M. Sarzotti et al. Postnatal thymus transplantation with immunosuppression as treatment for DiGeorge Syndrome. Blood [im Druck] (2004).
PD Dr. Stephan Ehl
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
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