Grippeimpfungen bei Patienten mit Immundefekten oder immunsuppressiver Therapie
Weltweit sind inzwischen weit über 1 Million Menschen mit einem Impfstoff gegen das H1N1-Virus, dabei auch Pandemrix®, geimpft worden, wobei der Impfstoff fast immer gut vertragen wurde. Z.T. hat er an der Impfstelle leichte Rötung/Schwellung/Schmerzen verursacht, z.T. leichte kurz anhaltende fieberhafte Reaktionen des Körpers. Schwere Nebenwirkungen oder Todesfälle, die unmittelbar auf die Impfung zurückgeführt werden müssen, sind extrem selten. Damit ist das Risiko der Impfung deutlich niedriger als das der natürlichen Infektionen durch die saisonale Influenza Typ A und B sowie die Influenza durch H1N1. Die natürliche Influenza-Infektion kann bei Immungesunden, besonders aber bei Patienten mit Immundefekten, unter immunsuppressiver Therapie, wie auch bei Patienten mit z.B. Mukoviszidose fatal verlaufen.
Wir empfehlen daher folgendes Vorgehen:
Impfung der Patienten selbst
Praktisch alle o.g. Patienten können und sollten geimpft werden, zunächst gegen H1N1 und mit einem minimalen Abstand von 2, besser 3 Wochen, auch gegen Influenza A und B. Selbst wenn ein 100%-iger Impfschutz damit nicht zu erzielen ist, so doch eine Teilimmunität, die den Krankheitsverlauf abschwächen kann. Auch Patienten unter Immunglobulintherapie (z.B. mit Agammaglobulinämie oder CVID) sollten geimpft werden, da die Immunglobuline nicht schützen, eine T-zelluläre Immunität aber zum Schutz beitragen kann.
Nutzlos ist die Impfung z.B. bei Kindern mit schwerem kombiniertem Immundefekt (SCID) vor Stammzelltransplantation, sowie bei Kindern mit HIV, deren Helferzellen (CD4-Zellen) deutlich unter 100/μl liegen.
Grippeimpfstoffe wie Pandemrix® sind Totimpfstoffe, also auch bei Patienten mit Immundefekten nicht vermehrungsfähig.
Impfung der Umgebung
Personen, die in unmittelbarem Kontakt sind mit o.g. Patienten, sollten sich ebenfalls impfen lassen, um die Influenzaviren nicht "einzuschleppen". Der Schutz kann erhöht werden durch Einsatz allgemeiner Hygienemaßnahmen. Personen, die offensichtlich einen fieberhaften Atemwegsinfekt haben, sollten Räume mit immundefizienten Patienten meiden. Mundschutz und Händedesinfektion bewirken nur eine Risikoreduktion.
Einsatz Tamiflu/Relenza bei Erfüllung der Falldefinition "Grippe" ohne oder trotz Impfung
Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei den erwähnten Patientengruppen zu einer hochfieberhaften Atemwegsinfektion, so dass der behandelnde Arzt den Verdacht hat auf eine Influenza, sollte diese Infektion mit Tamiflu behandelt werden. Der Nachweis einer H1N1-Infektion mittels PCR ist anzustreben. Bei schwerem Verlauf (z.B. Therapie auf Intensivstation) oder bei Verschlechterung trotz Tamiflu sollte als Reservemedikament Relenza (inhalativ, in besonderen Ausnahmefällen i.v. (nicht zugelassen)) eingesetzt werden. Relenza inhalativ ist weniger stark systemisch wirksam als Tamiflu, ist demzufolge auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion verträglich.
Unsere Empfehlungen beziehen sich ausschließlich auf die o.e. Patientengruppen. Allgemeine Informationen zur Grippeimpfung finden sich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.