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Definition der "Infektanfälligkeit" und Klassifikation angeborener Immundefekte - Stand 2009
V. Wahn1, , T. Niehues2 , M. Weiß3
1 Prof. Dr. Volker Wahn
Klinik für Pädiatrie m.S. Pneumologie und Immunologie
Virchow-Klinikum der Charité
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
2 Prof. Dr. med. T. Niehues
Kinderklinik Krefeld
Lutherplatz 40
47805 Krefeld
3 Prof. Dr. Michael Weiß
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Kliniken der Stadt Köln gGmbH
Amsterdamer Str. 59
51058 Köln
Die Klassifikation primärer Immundefekte wird in mehrjährigen Abständen als Report einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der International Union of Immunological Societies (IUIS) publiziert (Übersicht siehe folgende Tabellen). In diesem Update werden die neuesten Änderungen dargestellt basierend auf der Arbeit von Notarangelo et al. (2009).
Gegenüber 2007 ergeben sich folgende Änderungen:
Neue kombinierte Defekte:
- Coronin 1A Defekt (T-B+ SCID)
- ITK-Defekt
- DOCK8-Defekt (Hyper-IgE-Syndrom-ähnlich)
Neuer B-Zell-Defekt
- CD19-Defekt
- Defekt des BAFF-Rezeptors
Neue gut definierte Erkrankungen
- PMS2-Defekt
- Comel-Netherton-Syndrom
- DOCK8-Defekt (HIES-ähnlich)
Neue Phagozytendefekte
- Defekt von G6PC3
Neue Defekte der innate immunity
- Pulmonale Alveolarproteinose
Neue Komplementdefekte
- Ficolin-3 Defekt
Tabelle 1. Übersicht Einteilung der Immundefekte nach IUIS Klassifikation (2009)
1. T- und B-Zell Immundefekte
2. Immundefekte, bei denen der Antikörpermangel im Vordergrund steht
3. Andere gut definierte Immundefekt-Syndrome
4. Störungen der Immunregulation
5. Defekte der Phagozytenzahl und -funktion
6. Defekte der natürlichen Immunität (innate immunity)
7. Komplementdefekte |
Autoinflammatorische Syndrome präsentieren sich klinisch nicht unter dem Leitsymptom der vermehrten Infektanfälligkeit, und sind daher an dieser Stelle nicht erwähnt.
Tabelle 2: Kombinierte Defekte
Bezeichnung |
Pathogenese/Gendefekt |
Vererbung |
Besondere Merkmale |
1. SCID (T-B+)* |
(a) X-chromosomal (γc Defekt) |
Mutationen in γ-Kette der IL-2,4,7,9,15,21-Rezeptoren |
XL |
Stark verminderte Anzahl an NK Zellen |
(b) Autosomal rezessiv
(Jak3 Defekt) |
Mutationen im Jak3-Gen |
AR |
Stark verminderte Anzahl an NK Zellen |
(c) IL-7Rα Defekt |
Mutationen im IL7Rα-Gen |
AR |
Normale Anzahl an NK Zellen |
(d) CD45 Defekt |
Mutationen im CD45-Gen |
AR
|
Normale Anzahl an
γδ-T- Zellen |
(e) CD3δ/CD3ε/CD3ζ--Defekt |
Mutationen im CD3δ- oder CD3ε- oder CD3ζ-Gen |
AR |
Normale NK-Zellen |
(f) Coronin 1A-Defekt |
Mutation im Coronin 1A-Gen |
AR |
Thymus vorhanden, aber kein Output von T-Zellen |
2. SCID (T-B-)* |
(a) RAG-1/RAG-2 Defekt |
Mutationen im RAG1/2-Gen |
AR |
|
(b) DCLREIC (Artemis)-Defekt |
Mutationen im Artemis-DNA-Rekombinase Reparatur Protein, defekte VDJ-Rekombination |
AR |
Radiosensitiv: Erhöhte Sensitivität gegenüber ionisierenden Strahlen |
(c) |
DNA PKcs Defekt |
AR |
|
(d) Adenosindesaminase
(ADA) Mangel |
T- und B-Zelldefekte aufgrund von toxischen Metaboliten (z.B. dATP, S-adenosylhomocystein) in Folge eines Enzymmangels |
AR |
Skelettveränderungen und neurologische Symptome möglich, Harnsäure normal |
(e) Retikuläre Dysgenesie |
Defekte Reifung von T- und B-Zellen und myeloischen Zellen (Stammzelldefekt) |
AR |
Granulozytopenie
Thrombozytopenie |
3. Omenn Syndrom (Phänotyp bei diversen Defekten) |
Mutationen im RAG1/2-Gen, bei IL7Rα, Artemis, RMRP, DNA-Ligase IV, oder γc-Kette |
AR
|
Erythrodermie,
Eosinophilie, hohes IgE,
Hepatosplenomegalie |
4. DNA Ligase IV |
Mutationen in der DNA Ligase IV : Defekte VDJ-Rekombination |
AR |
Radiosensitiv, Mikrozephalie, faziale Dystrophie |
5. Cernunnos/XLF-Mangel |
Mutation bei Cernunnos |
|
Mikrozephalie, intrauterine Wachstumsretardierung, Radiosensitivität |
6. CD40-Ligand-Mangel (X-chromosomales Hyper IgM Syndrom) |
Mutationen im CD40-Ligand-Gen, gestörte Signalübertragung in B- und dendritischen Zellen |
XL |
Neutropenie,
Thrombozytopenie,
hämolytische Anämie,
Gastrointestinal- & Leberbeteiligung,
opportunistische Infektionen |
7. CD40 Mangel |
Mutationen im CD40-Gen, gestörte Signalübertragung in B- und dendritischen Zellen |
AR |
Neutropenie, Gastrointestinal- & Leberbeteiligung, opportunistische Infektionen |
8. Purin Nucleosid Phosphorylase (PNP) Mangel |
T-Zelldefekt aufgrund von toxischen Metaboliten (z. B. dGTP) in Folge eines Enzymmangels |
AR |
Autoimmunhämolytische Anämie, neurologische Symptome |
9. CD3γ - Defekt |
Defekte bei CD3γ |
AR |
|
10. CD8 Mangel |
Mutationen im CD8α Gen |
AR |
|
11. ZAP-70 Defekt |
Mutationen im ZAP-70 Kinase-Gen |
AR |
|
12. Defekt des CRAC-Kanals (Ca-Kanals) |
Mutation bei Orai-1, einer Komponente des Ca-Kanals |
AR |
Autoimmunität, anhidrotische Ektodermaldysplasie, nicht-progressive Myopathie |
13. MHC Klasse I Defekt |
Mutationen im TAP-1- oder TAP-2- oder TAPBP (Tapasin)-Gen |
AR |
CD4 normal, CD8 vermindert. Vaskulitis
|
14. MHC Klasse II Defekt |
Mutationen in Transkrip-tionsfaktorgenen für MHC Klasse-II Moleküle
(CIITA oder RFX5, RFXAP, RFXANK) |
AR |
CD4 normal oder vermindert |
15. Winged Helix Nude (WHN) Defekt |
Mutationen im FOXN1 Gen, das für den Forkhead N1 Transkriptionsfaktor kodiert |
AR |
Alopezie, abnormes Thymusepithel (menschliche Nacktmaus) |
16. CD25-Mangel |
Defekt der IL-2R-α-Kette |
AR |
CD4 normal oder leicht vermindert |
17. STAT5b-Mangel |
Defekt im STAT5b-Gen, Störung der Entwicklung von γ/δ-Zellen, regulatorischen T- und NK-Zellen, gestörte T-Zell-Proliferation |
AR |
STH-refraktärer Minderwuchs, Dysmorphie, Ekzem, LIP |
18. ITK-Defekt |
Mutation im ITK-Gen |
AR |
EBV-assoziierte Lymphoproliferation wie bei XLP |
19. DOCK8-Defekt |
Mutation im DOCK8-Gen |
AR |
IgM ¯, IgE Â, ähnlich wie Hyper-IgE-Syndrom, Neigung zu Virusinfektionen und Krebs |
SCID, Schwerer kombinierter Immundefekt; XL, X-chromosomal rezessive Vererbung; JAK, Janus-assoziierte Kinase; IL-7Rα, IL-7 Rezeptor α; AR, autosomal rezessive Vererbung; NK, natürliche Killer Zellen; dATP, Desoxyadenosin Triphosphat; dGTP, Desoxyguanosin Diphosphat; ZAP-70, Zeta-assoziiertes Protein mit 70 kd; TAP, transporter associated with antigen processing. TAPBP, TAP bindendes Protein. DCLRE, DNA crosslink repair protein. RMRP, RNA of mitochondrial RNA-processing endoribonuclease. XLF, XRCC4-like factor.
*Atypische Fälle von SCID können bei sog. hypomorphen somatischen Mutationen oder bei einer angeborenen GvHD maternale T-Zellen haben.
Tabelle 3: Immundefekte, bei denen der Antikörpermangel im Vordergrund steht
Bezeichnung |
Pathogenese/
Gendefekt |
Konstellation der Immunglobuline |
Vererbung |
Besondere Merkmale |
1.Starke Reduktion aller Immunglobulin-Isotypen |
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a) X-chromosomale Agammaglobulinämie |
Mutationen im btk-Gen |
Alle Isotypen erniedrigt |
XL |
Schwere bakterielle Infektionen |
b) μ-Schwerketten-Mangel |
Mutationen bei der μ-Schwerkette |
Alle Isotypen erniedrigt |
AR |
Schwere bakterielle Infektionen |
c) λ5-Mangel |
Mutationen bei λ5 |
Alle Isotypen erniedrigt |
AR |
Schwere bakterielle Infektionen |
d) Igα-Mangel |
Mutationen bei Igα |
Alle Isotypen erniedrigt |
AR |
Schwere bakterielle Infektionen |
e) Igβ-Mangel |
Mutation im Igβ-Gen |
Alle Isotypen erniedrigt |
|
Schwere bakterielle Infektionen, normale Anzahl von Pro-B-Zellen |
f) BLNK-Mangel |
Mutationen bei BLNK |
Alle Isotypen erniedrigt |
AR |
Schwere bakterielle Infektionen |
g) Good-Syndrom |
Unbekannt |
Alle Isotypen erniedrigt |
Sporadisch |
Infektionen, verminderte Anzahl von Pro-B-Zellen |
2. Starke Reduktion von mindestens 2 Ig-Isotypen (IgG und IgA) B-Zellzahl N oder ¯ |
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(a) CVID |
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IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein |
Variabel, 10% mit pos. Familienanamnese) |
Infektionen, autoimmune, granulomatöse und lymphoproliferative Komplikationen |
(b) ICOS-Mangel |
Mutationen bei ICOS |
IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein |
AR |
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(c) CD19-Mangel |
Mutationen bei CD19 |
IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein |
AR |
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(d) TACI-Defekt |
Mutation bei TNFRSF13B (TACI) |
IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein |
AD, AR oder komplex |
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(e) Defekt des BAFF-Rezeptors |
Mutation bei TNFRSF13C (BAFF-R) |
Niedriges IgG und IgM |
AR |
Variable klinische Expression |
3. Verminderung von IgG und IgA bei normalem oder erhöhtem IgM |
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(a) CD40-Ligand-Mangel |
Mutationen im CD40L, = CD154 |
IgG und IgA erniedrigt, IgM normal oder erhöht, B-Zellen normal oder erhöht |
XL |
Opportunistische Infektionen, Neutropenie, Autoimmunität |
(b) CD40 Mangel |
Mutationen bei CD40 |
IgG und IgA erniedrigt, IgM normal oder erhöht, B-Zellen normal oder erhöht |
AR |
Opportunistische Infektionen, Neutropenie |
(c) AID-Mangel
(Activation induced Cytidin deaminase) |
Mutationen im AID-Gen |
IgG und IgA erniedrigt |
AR |
Vergrößerte Lymphknoten und Keimzentren |
(d) UNG-Mangel (Uracil-N-Glykosylase) |
Mutationen im UNG-Gen |
IgG und IgA erniedrigt |
AR |
Vergrößerte Lymphknoten und Keimzentren |
4. Isotyp- oder Leichtkettenmangel mit normalen B-Zellen |
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a) Defekt der schweren Immunglobulinkette |
Chromosomaler Defekt bei 14q32 |
IgG1 oder IgG2, IgG4 nicht vorhanden und in einigen Fällen IgE und IgA1 oder IgA2 nicht vorhanden |
AR |
Nicht immer symptomatisch |
b) κ-Ketten-Defekt |
Punktmutationen bei Chromosom 2p11 bei einigen Patienten |
Ig(κ) erniedrigt: Antikörper-Reaktion normal oder erniedrigt |
AR |
Teilweise asymptomatisch |
c) IgG-Subklassendefekte |
Unbekannt |
Verminderung einer oder mehrerer Subklassen |
Variabel |
Rezidivierende Infektionen |
d) IgA- plus IgG-Subklassenman-gel |
Unbekannt |
Verminderung von IgA und einer oder mehrerer Subklassen |
Variabel |
Teilweise asymptomatisch |
e) Selektiver IgA-Mangel |
Sehr wenige mit TACI-Mutation |
IgA stark vermindert oder fehlend |
Variabel |
Meist asymptomatisch. Teilweise schlechte Antwort auf Polysaccharid-Ag. Einige entwickeln sich zum CVID, andere sind damit familiär koexistent |
5. Antikörpermangel mit normalen Immunglobulinen und B-Zellen |
Unbekannt |
Normal |
Unbe-kannt |
Selektive Unfähigkeit zur Bildung von spezifischen, z.B. Polysaccharid-Antikörpern |
6. Transitorische Hypogammaglo-bulinämie des Säuglings |
Differenzie-rungsdefekt: verspätete Reifung der Helferzell-Funktion |
IgG und IgA
erniedrigt |
Unbe-kannt |
Häufig in Familien mit anderen Immundefekten |
Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD, autosomal dominanter Erbgang; BLNK, B-Zell Linker Protein; ICOS, inducible costimulator; TACI, transmembrane activator, calcium-modulator and cyclophilin ligand interactor; BAFF, B-cell activating factor; AID, Aktivierungs-induzierte Cytidin-Desaminase; UNG, Uracil-DNA N-Glykosylase; Ig(κ) = Immunglobulin mit kappa-Leichtkette; btk = Bruton´s Tyrosinkinase; *Unterschiedliche klinische Phänotypen.
Tabelle 4: Andere gut definierte Immundefekt-Syndrome
Bezeichnung |
Genetischer Defekt |
Verer-bung |
Besondere Merkmale |
1. Wiskott-Aldrich Syndrom |
Mutationen im WASP- Gen; zytoskeletaler Defekt, der Hämatopoese betrifft |
XL |
Thrombozytopenie; kleine defekte Plättchen; Ekzeme; Lymphome; Autoimmunerkrankungen. IgA-Nephropathie. Bakterielle und virale Infektionen. Selten X-chromosomale Neutropenie |
2 DNA-Reparatur-Defekte |
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a) Ataxia teleangiectatica
(Louis-Bar-Syndrom) |
Mutation im A-T -Gen (ATM); Störung des Zellzyklus; führt zu chromosomaler Instabilität |
AR |
Ataxie; Teleangiektasien; Variable Störungen bei IgG-Subklassen, IgA und IgE, spezifischen Antikörpern. Vermehrung des monomeren IgM. Erhöhtes alpha 1- Fetoprotein. Lymphoretikuläre und andere Malignome, Radiosensitivität. |
(b) Ataxia-ähnliche Erkrankung (ATLD) |
Hypomorphe Mutationen im Mre 11-Gen (kodiert für DNA Reparaturenzym) |
AR |
Mäßig ausgeprägte Ataxie,
stark radiosensitiv |
(c) Nijmegen breakage syndrome |
Defekt in NBS1 (Nibrin); Störung des Zellzyklus und DNA Reparatur |
AR |
Mikrozephalie, Vogel-ähnliches Gesicht, Lymphome; Radiosensitiv; chromosomale Instabilität |
(d) Bloom Syndrom |
Mutation im BLM: RecQ-ähnliche Helikase |
AR |
Chromosomale Instabilität, radiosensitiv, Knochenmarksinsuffizienz, Leukämie, Lymphome, Minderwuchs, Vogelkopfgesicht, Lichtempfindlichkeit, Teleangiektasien |
(e) ICF-Syndrom (Immundefekt mit Centromer-Instabilität und facialen Auffälligkeiten) |
Mutation bei DNA-Methyltransferase DNMT3B, führt zu defekter DNA-Methylierung |
AR |
Hypogammaglobulinämie, Makroglossie, bakterielle und opportunistische Infektionen, Malabsorption |
(f) PMS2-Defekt |
Mutation bei PMS2, was zu Defekten bei den Klassenswitch-induzierten DNA-Doppelstrang-brüchen führt |
AR |
Hyper-IgM-Phänotyp |
3. Thymusdefekte: DiGeorge-Anomalie (Chromosom 22q11.2 Deletions-Syndrom) |
Defekt, der zu 90% die Thymus- Entwicklung betrifft, Mutation beim TranskriptionsfaktorTBX1 |
De novo Defekt oder AD |
Hypoparathyroidismus: Conotrunkale Missbildungen; Auffällige Facies; partielle Monosomie von 22q11-pter oder 10p bei einigen Patienten |
4. Immunoossäre Dysplasien |
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(a) Knorpel-Haar-Hypoplasie |
Mutation bei RMRP |
AR |
Kurzgliedriger Zwergwuchs, Dysostosen, wenig Haare, Anämie, Neutropenie, Erhöhte Anfälligkeit für maligne Erkrankungen |
(b) Schimke-Syndrom |
Mutation bei SMARCALI |
AR |
Minderwuchs, spondyloepiphysäre Knochendysplasien, Nephropathie |
5. Comel-Netherton Syndrom |
Mutation bei SPINK5, resultierend im Fehlen der Serinprotease LEKTI in Epithelzellen |
AR |
Angeborene Ichtyosis, Bambushaare, atopische Diathese, bakterielle Infektionen, Gedeihstörung |
6. Hyper-IgE-Syndrome |
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(a) AD-HIES (Hiob-Syndrom) |
Dominant negative Mutationen bei STAT3 |
AD |
Candidiasis der Nägel u.a., kalte Staphylokokken-Abszesse, Ekzeme, Pneumatocelen, typische Facies, Osteoporose, Skoliose, Dentitionsanomalien, Hypermobilität. Erniedrigte TH17-Zellen |
(b) AR HIES |
|
AR |
Keine Skelett- oder Bindegewebsauffälligkeiten |
(i) |
Mutationen bei Tyk2 |
|
Anfälligkeit gegenüber intrazellulären Bakterien, Pilze und Viren |
(ii) |
Mutation bei DOCK8 |
|
Atemwegsinfektionen, bakterielle und Virusinfektionen der Haut, schwere Atopie mit Neigung zu Anaphylaxie, erhöhtes Krebsrisiko |
(iii) |
Unbekannt |
|
Anfälligkeit gegenüber Bakterien, Viren und Pilzen. Vaskulitis, ZNS-Blutung |
7. Chronisch-mukokutane Candidiasis |
Mutation bei CARD9, niedrige TH17-Zellen |
AR, AD, sporadisch |
Chronisch-mukokutane Candidiasis, gestörte zelluläre Immunität gegenüber Candida, Autoimmunität, keine Ektodermaldysplasie |
8. Immundefekt mit venookklusiver Erkrankung der Leber |
Mutation bei SP110 |
AR |
Venookklusive Erkrankung der Leber, Hepatosplenomegalie, PCP, Thrombopenie |
9. X-chromosomale Dyskeratosis congenita (Hoyerall-Hreidarsson-Syndrom) |
Mutationen beim Dyskerin (DKC1) |
XL |
Intrauteriner Minderwuchs, Mikrozephalie, Nageldystrophie, Panzytopenie, rezidivierende Infektionen, Magen-Darm-Beteiligung, Reduktion von NK-Zellen und -Funktion |
Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; WASP = Wiskott-Aldrich Syndrom Protein; MRE11, meiotische Rekombination 11; NK = Natürliche Killer Zellen; CTL = Zytotoxische T-Zellen; EBV = Epstein Barr Virus, RMPR = RNA component of mitochondrial RNA-processing endoribonuclease; SMARCALI = SWI/SNF-related, matrix-associated, actin-dependent regulator of chromatin, subfamily alpha-like 1; AP3B1 = adaptor-related protein complex 3, β1-subunit
Tabelle 5: Erkrankungen bei Immundysregulation
1. Immundefekte mit Hypopigmentierung |
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(a) Chediak-Higashi Syndrom |
Defekt im LYST -Gen, gestörter lysosomaler Transport |
AR |
Partieller Albinismus; Akutphase-Reaktion; niedrige NK und CTL Aktivitäten; stark vergrößerte Lysosomen, enzephalopathische akzelerierte Phase |
(b) Griscelli Syndrom Typ 2 |
Defekt im RAB27A- Gen, kodiert für GTPase in sekretorischen Vesikeln |
AR |
Partieller Albinismus; Akutphase-Reaktion; niedrige NK und CTL-Aktivitäten, progressive Enzephalopathie in schweren Fällen |
C) Hermansky-Pudlak-Syndrom Typ 2 |
Mutationen im AP3B1-Gen, kodiert für ß-Untereinheit im AP-3-Komplex |
AR |
Partieller Albinismus, Neutropenie, erniedrigte NK-Zellen und CTL, Blutungsneigung |
2. Familiäre hämophagozytierende Lymphohistiozytosen |
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(a) Perforinmangel |
Mutationen im PRF1 (Perforin)-Gen |
AR |
Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten |
(b) Unc 13-D Defekt |
Mutation im UNC 13-D-Gen |
AR |
Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten |
(b) Syntaxin 11 Defekt |
Mutation im STX11-Gen |
AR |
Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten |
3. X-chromosomales lymphoproliferatives Syndrome |
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(a) XLP1 |
Defekt bei SH2D1A, einem Adapterprotein zur Regulation intrazellulärer Signale |
XL |
Klinische und immunologische Manifestationen, getriggert durch EBV Infektion; Hepatitis; Aplastische Anämie; Lymphome. |
(b) XLP2 |
Defekt bei XIAP, einem Inhibitor der Apoptose |
XL |
Klinische und immunologische Manifestationen, getriggert durch EBV Infektion; Splenomegalie, Hepatitis; Aplastische Anämie; Lymphome. Hämophagozytose |
(c) ITK-Defekt |
Mutation bei ITK |
AR |
EBV-assoziierte Lymphoproliferation |
4. Syndrome mit Autoimmunität |
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a. Autoimmune lymphoproliferative Syndrome (ALPS) |
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Nur teilweise als « Immundefekt » anzusehen |
(i) CD95-Mangel |
Mutationen im TNFRSF6, dem Apoptose-Rezeptor |
AD, seltenschwere Fälle AR |
Adenopathie, Splenomegalie, Autoimmunzytopenien, gestörte Apoptose, gesteigertes Lymphomrisiko. Doppelt-negative T-Zellen vermehrt |
(ii) CD95-Ligand-Mangel |
Mutationen im TNFSF6, dem Liganden für den Apoptose-Rezeptor CD95 |
AR |
Adenopathie, Splenomegalie, Autoimmunität, Lupus, gestörte Apoptose. Doppelt-negative T-Zellen vermehrt |
(iii) Caspase 10-Defekt |
Mutationen im CASP10 (beteiligt am apoptotischen Signalweg) |
AR |
Adenopathie, Splenomegalie, vermehrt dendritische Zellen, Autoimmunität, gestörte Apoptose |
(iv) Caspase 8-Defekt |
Mutationen im CASP8 (beteiligt am apoptotischen und Aktivierungs-Signalweg) |
AD |
Lymphadenopathie, Splenomegalie, gestörte Lymphozyten-Apoptose und Aktivierung, rezidivierende bakterielle und virale Infekte |
(v) Aktivierender N-Ras Defekt |
Defekt bei einem NRas kodierenden GTP-bindenden Protein mit Signalfunktion |
AD |
Lymphadenopathie, Splenomegalie, Leukämie, Lymphom, gestörte Lymphozyten-Apoptose nach IL-2 Entzug |
(b) APECED = Autoimmunpolyendo-krinopathie mit Candidiasis und ektodermaler Dystrophie |
Defekt bei AIRE, einem Transkriptionsfaktor nötig für Ausbildung von "Selbst"-Toleranz im Thymus |
AR |
Autoimmunerkrankungen von Nebenschilddrüsen, Nebennieren und anderen endokrinen Organen, plus Candidiasis, Zahn- und Schmelzhypoplasie |
(c) IPEX, Immundysregulation, Polyendokrinopathie, Enteropathie, X-chromosomal |
Defekt bei FOXp3, einem Transkriptionsfaktor für regulatorische T-Zellen |
XL |
Autoimmundiarrhoe, früh Diabetes, Thyreoiditis, hämolytische Anämie, Thrombopenie, Ekzem. Mangel an FOXp3-pos. CD4+/CD25+ Zellen |
(d) IPEX-like, CD25-Mangel |
Defekt der IL-2Ra-Kette |
AR |
Lymphoproliferation, Autoimmunität, gestörte T-Zell-Proliferation |
NK, Natürliche Killerzelle; CTL, zytotoxische T-Zelle; XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; LYST, lysosomal trafficking regulator; RAB27A, Rab Protein 27A; PRF1, Perforin 1; SH2D1A, SH2 domain protein 1A; APECED, autoimmune polyendocrinopathy-candidiasis-ectodermal dystrophy; AIRE, autoimmune regulator; IPEX, immune dysregulation-polyendocrinopathy-enteropathy-X-linked; FOXP3, Forkhead box protein 3.
Tabelle 6: Defekte der Phagozyten
Krankheit |
Gendefekt |
Verer-bung |
Merkmale |
1-2. Schwere angeborene Neutropenien |
Bei einigen Patienten ELA2-Defekt, Fehltransport der Elastase |
AD |
Gestörte myeloide Differenzierung, Subgruppe mit Myelodysplasie |
|
Mutation bei GFI1, gestörte Repression der Elastase |
AD |
Gestörte myeloide Differenzierung, B/T Lymphopenie |
3. Kostmann-Syndrom |
Mutation bei HAX1, dadurch unzureichende Kontrolle der Neutrophilen-Apoptose |
AR |
Kognitive und neurologische Defekte |
4. Neutropenie mit kardialen und urogenitalen Fehlbildungen |
Mutation bei G6PC3 |
AR |
Fehlende Aktivität der Glukose-6-Phosphatase, gesteigerte Apoptose. Fehlbildungen. Venöse Ektasien an Stamm und Gliedmaßen |
5. Glykogenose Typ Ib |
Mutation bei G6PT1, Glukose-6-Phosphat Transporter 1 |
AR |
Neutropenie, Hypoglykämie, Laktatazidose, Hyperlipidämie, Hepatomegalie |
6. Zyklische Neutropenie |
Elastase 2 |
AD |
Zyklische Schwankungen von Retikulozyten, Thrombozyten und Leukozyten |
7. X-chromosomale Neutropenie |
Mutation im WASP-Gen: Verlust der Autoinhibition) |
XL |
Monozytopenie |
8. P14 Mangel |
Mutationen bei MAPBPIP, dem endosomalen Adapterprotein 14 |
AR |
Partieller Albinismus, Hypogammaglobulinämie, CD8-Zytotoxizität vermindert, Minderwuchs |
9. Leukozyten Adhäsionsdefekt 1 |
Mutation bei INTG2: Beta-Kette (CD18) von LFA-1, Mac 1, p150,95 |
AR |
Verspäteter Abfall des Nabels, chronische Hautulzera, Peridontitis, Leukozytose, defekte T + NK-Zell Zytotoxizität |
10. Leukozyten Adhäsionsdefekt 2 |
GDP-Fucose-Transporter |
AR |
Verzögerte Wundheilung, chronische Hautulzera, geistige Retardierung, Leukozytose, Bombay Blutgruppe (hh) |
11. Leukozyten Adhäsionsdefekt 3 |
Mutation bei KINDLIN3: Gestörte Rap1-Aktivierung der β1-3-Integrine |
AR |
Wie LAD1 + Blutungsneigung |
12. Rac-2-Defekt |
Mutation der GTPase RAC-2, keine Regulation des Aktinskeletts |
AD |
Verzögerte Wundheilung, Leukozytose |
13. ß-Aktin-Defekt |
Mutation von ACTB (kodiert zytoplasmatisches Aktin) |
AD |
Mentale Retardierung, Minderwuchs |
14. Lokalisierte juvenile Peridontitis |
Mutation bei FPR1 (Chemokin-Rezeptor) |
AR |
Peridontitis, gestörte Chemotaxis |
15. Papillon-Lefèvre Syndrome |
Störung im CTSC-Gen: Störung der Kathepsin-Aktvierung von Serinproteasen |
AR |
Peridontitis, palmo-plantare Hyperkeratose |
16. Spezifischer Granulamangel |
CCAAT/Enhancer-bindendes Protein e; myeloider Transkriptions-faktor |
AR |
Neutrophile mit doppelt gelappten Kernen |
17. Shwachman-Bodian-Diamond Syndrom |
Mutation bei SBDS |
AR |
Panzytopenie, Pankreasinsuffizienz, Chondrodysplasie |
18. X-chromosomale septische Granulomatose |
gp 91 phox (CYBB), macht Elektronentrans-port |
XL |
Keine O2--Bildung, Blutgruppe: McLeod Phänotyp möglich |
19-21. Autosomal rezessive septische Granulomatosen |
P22 phox (CYBA Elektronentrans-portprotein),
p47 phox (NCF1-Adapterprotein),
p67 phox (NCF2 aktivierendes Protein) |
AR |
Keine O2—Bildung, kein intrazelluläres Killing |
22. Interleukin-12 und IL-23-Rezeptor Defekt |
Störungen bei IL12Rβ1 und IL-23Rβ1 |
AR |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. |
23. Interleukin-12p40 Defekt |
IL12p40 |
AR |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. |
24. IFN-γ Rezeptor 1-Defekt |
IFN-γ Rezeptor 1 (Zytokin-bindende Kette) |
AR/AD |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Keine Bindung von IFN-γ |
25. IFN-γ Rezeptor 2-Defekt |
IFN-γ Rezeptor 2 (Signalkette) |
AR |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Kein Signal durch IFN-γ |
26. STAT-1 Defekte |
STAT-1* |
AR |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Viren, Mykobakterien und Salmonellen. Gestörtes IFN-α/β/γ-Signalling |
|
STAT-1* |
AD |
Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Nur gestörtes IFN-γ-Signalling |
27. AD-HIES (s.o.) |
|
|
|
28. AR-HIES (s.o.) |
|
|
|
29. Pulmonale Alveolarproteinose |
Mutation bei CSF2RA, dadurch gestörte GM-CSF Signalübertragung |
Biallelische Mutationen in pseudoautosomalen Genen |
Alveolarproteinose |
Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; NK= Natürliche Killer Zellen; WASP = Wiskott-Aldrich Syndrom Protein; IFN = Interferon. LAD, Leukozytenadhäsions-Mangel; FUCT1, Fucose Transporter 1; GDP, Guanosine Diphosphat; (SBDS, Shwachman-Bodian-Diamond Syndrom; STAT1, signal transducer and activator of transcription 1. Die AD Form des IFN-Rg1 oder des STAT1 Mangels wird durch dominant negative Mutationen verursacht. * Transkriptionsfaktor, der über den IFNγ-Rezeptor aktiviert wird
Tabelle 7: Defekte der innate immunity
Krankheit |
Gendefekt |
Verer-bung |
Merkmale |
Anhidrotische Ektodermaldysplasie mit Immundefekt (EDA-ID) |
NEMO |
XR |
Reduzierte Schweißproduktion, Ektodermaldysplasie*, Fehlen polysaccharidspezifischer Antikörper, gesteigerte Infektneigung, erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. |
Anhidrotische Ektodermaldysplasie mit Immundefekt (EDA-ID) |
IκBα, gain-of-function Mutation bewirkt Störung der NFκB-Aktivierung |
AD |
Reduzierte Schweißproduktion, Ektodermaldysplasie*, T-Zell-Defekt, gesteigerte Infektneigung, erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. |
IL-1-Rezeptor assoziierte Kinase 4 (IRAK4)-Mangel |
IRAK4 |
AR |
Bakterielle Infektionen, Störung des TLR-Signalweges |
MyD88 Defekt |
Mutation bei MyD88, gestörtes Signalling über TIR und IL-1R |
AR |
Bakterielle Infektionen |
WHIM (Warzen, Hypogammaglobulin-ämie, Infektionen, Myelokathexis)-Syndrom |
CXCR4, Rezeptor für CXCL12 |
AD |
Neutropenie, reduzierte B-Zellen, Warzen/HPV-Infektionen. Rezeptor reagiert zu stark auf Triggerung. |
Epidermodysplasia verruciformis |
EVER1, EVER2 |
AR |
HPV (Gruppe B1)-Infektionen und Hautkrebs |
Herpes simplex Enzephalitis |
UNC93B1, beteiligt an Bildung von IFN-α, -β, -λ |
AR |
HSV Meningoenzephalitis |
Herpes simplex Enzephalitis |
TLR3, beteiligt an Bildung von IFN-α, -β, -λ |
AD |
HSV Meningoenzephalitis |
Chronisch mukokutane Candidiasis |
Mutation bei CARD9, dadurch gestörte Signalübertragung über Dectin 1 |
AR |
Niedrige TH17-Zellen |
Trypanosomiasis |
Mutation bei APOL-1 |
AD |
|
XR, X-chromosomal rezessiv; NEMO, NF-κB essentieller Modulator; AD, autosomal dominant; AR, autosomal rezessive; NF-κB, Nukleärer Faktor κB; IRAK4, IL-1 Rezeptor-assoziierte Kinase 4; SDF-1, von Stroma-Zellen gebildeter Faktor 1; EVER, Epidermodysplasia verruciformis; TIR, Toll und IL-1 Rezeptor;
HPV, humanes Papillomavirus. *Anmerkung der Autoren: NEMO Defekte sind auch ohne ektodermale Dysplasie beschrieben worden.
Tabelle 8: Komplementdefekte
Lfd. Nr. |
Defekt |
Vererbung |
Chromoso-male Lokalisation |
Wichtigste klinische Symptome |
1 |
C1q |
AR |
1 |
SLE-ähnlich, Infektionen |
2 |
C1r* |
AR |
12 |
SLE-ähnlich, Infektionen |
3 |
C4 |
AR |
6 |
SLE-ähnlich, Infektionen |
4 |
C2** |
AR |
6 |
SLE-ähnlich, Vaskulitis, Polymyositis |
5 |
C3 |
AR |
19 |
Rezidivierende eitrige Infektionen |
6 |
C5 |
AR |
9 |
Neisseria-Infektionen, SLE |
7 |
C6 |
AR |
5 |
Neisseria-Infektionen, SLE |
8 |
C7 |
AR |
5 |
Neisseria-Infektionen, SLE, Vaskulitis |
9 |
C8α*** |
AR |
1 |
Neisseria-Infektionen, SLE |
10 |
C8β |
AR |
1 |
Neisseria-Infektionen, SLE |
11 |
C9 |
AR |
5 |
Neisseria-Infektionen |
12a |
C1-Inhibitor Homozygotie |
AR |
11 |
Milde Form des hereditären Angiödems |
12b# |
C1-Inhibitor Heterozygotie |
|
11 |
Hereditäres Angioödem |
i) |
Typ I = Antigenmangel |
AD |
|
Hereditäres Angioödem |
ii) |
Typ II = Dysfunktion |
AD |
|
Hereditäres Angioödem |
iii) |
‚estrogen-dependent’ (Typ III); Antigen und in vitro-Funktion normal. Zuordnung zu Komplementdefekten nur aus klinischer Sicht. |
|
|
Hereditäres Angioödem, bei Frauen, sowie Männern mit Östrogenüberschuss |
13 |
Faktor I |
AR |
4 |
Rezidivierende bakterielle Infektionen |
14 |
C4-bindendes Protein## |
AD? |
1q32 |
Atypischer M. Behçet, Angioödem |
15a |
Faktor H (Homozygotie) |
AR |
1 |
Rezidivierende bakterielle Infektionen
MPGN II
Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom |
15b |
Faktor H (Heterozygotie) |
|
|
Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom |
16 |
Faktor D |
AR |
19 |
Neisseria-Infektionen |
17 |
Properdin |
XR |
X |
Neisseria-Infektionen |
18 |
MBL-Mangel |
AR |
10q21-23 |
Eitrige Infektionen (v.a. bis zum 2. Lebensjahr) |
19 |
MASP2-Mangel |
AR |
3q27-28 |
Pneumokokken Pneumonie und Pneumokokken Sepsis (unter Prednisolon-Therapie); die eigentliche klinische Erscheinungsform des MASP-2 Defekts ist vorerst unklar |
20 |
Komplement-Rezeptor 3 Mangel |
|
|
= LAD 1 |
21 |
Membran-Kofaktor-Protein (MCP, CD46)-Defekt |
AD |
MCP |
Glomerulonephritis, atypisches HUS |
22 |
MAC-Inhibitor Defekt (CD59) |
AR |
CD59 |
Neigung Komplement-vermittelter Hämolyse und Thrombose |
23 |
Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie |
Erworbene X-chr. Mutation |
PIGA |
Neigung Komplement-vermittelter Hämolyse |
24 |
Ficolin-3 Defekt |
AR |
FCN3 |
Rezidivierende Infektionen besonders der Atemwege |
MBP = Mannose-bindendes Protein, MASP = MBP-assoziierte Serinprotease, MPGN II = membranoproliferative Glomerulonephritis Typ II
* Der C1r-Mangel ist meistens mit C1s-Mangel verbunden. Das C1s-Gen liegt in unmittelbarer Nähe des C1r-Gens auf demselben Chromosom (Locus 12 p ter).
** Der C2-Defekt ist im Kopplungsungleichgewicht mit HLA-A25, B-18, DR2, Komplotyp S042 von Faktor B, Typ 4 C4A, Typ 2 C4B
*** der C8α-Mangel geht obligat mit einem C8γ-Mangel einher, da die γ-Kette normalerweise kovalent an die α-Kette gebunden wird. Das γ-Gen selbst ist intakt.
# Beim Hereditären Angioödem (HAE) sollten 3 Typen unterschieden werden: Mangel (ca. 85% der Patienten), Dysfunktion (ca. 15% der Patienten), und eine Variante mit typischer Klinik, aber normalen Laborbefunden. Diese Form wurde auch als HAE Typ III bezeichnet, was aber zu Missverständnissen führen kann, da bei dieser Form kein C1-INH Mangel vorliegt. Die bessere Namensgebung, die sich langsam durchsetzt ist "estrogen-dependent hereditary angioedema". Es können zwei Formen unterschieden werden: eine mit nachweisbaren Mutationen im Faktor XII Gen und eine ohne möglichen Nachweis. Bis auf einen Fall sind nur Frauen mit FXII Mutationen bekannt. Bei der Form ohne nachweisbare Mutation des FXII Gens ist der Anteil der Männer höher.
Die hier wiedergegebene Klassifikation ist sicher nicht perfekt. Sie sollte aber verwendet werden, um die internationale Kommunikation zu erleichtern. Weitere Updates sind zu erwarten.
LITERATUR
International Union of Immunological Societies Expert Committee on Primary Immunodeficiencies, Notarangelo LD, Fischer A, Geha RS, Casanova JL, Chapel H, Conley ME, Cunningham-Rundles C, Etzioni A, Hammartröm L, Nonoyama S, Ochs HD, Puck J, Roifman C, Seger R, Wedgwood J. Primary immunodeficiencies: 2009 update. J Allergy Clin Immunol. 2009 Dec;124(6):1161-78.
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